Beim Dreh läuft nicht immer alles nach Plan. Wind, Verkehr, ein Generator in der Nähe oder das Rascheln eines Kostüms am Ansteckmikrofon, und schon ist ein wichtiger Satz kaum zu verstehen. Oft ist die Szene aber perfekt gespielt und soll unbedingt in den Film. Genau dafür gibt es ADR, die Nachsynchronisation im Tonstudio. In diesem Beitrag erklären wir, wann ADR nötig ist, wie eine ADR-Aufnahme abläuft und worauf es ankommt, damit am Ende niemand den Unterschied hört.
Was ist ADR?
ADR steht für Automated Dialogue Replacement, auf Deutsch Nachsynchronisation. Dabei spricht die Schauspielerin oder der Schauspieler einzelne Sätze im Studio neu ein, exakt synchron zum Bild. Im Unterschied zur Synchronisation in eine andere Sprache bleibt bei ADR die Originalsprache erhalten, und meist spricht dieselbe Person wie beim Dreh.
Wann braucht man ADR?
- Störgeräusche am Set: Wind, Straßenverkehr, Flugzeuge, Regen oder Generatoren überdecken den Dialog.
- Technische Probleme: Aussetzer der Funkstrecke, Kleidungsrascheln am Ansteckmikrofon oder übersteuerte Aufnahmen.
- Textänderungen nach dem Schnitt: Ein Satz soll anders formuliert werden, ein Markenname muss raus oder die TV-Fassung braucht eine entschärfte Version.
- Undeutliche Passagen: Ein Wort ist nuschelig oder die Betonung passt nicht mehr zur geschnittenen Szene.
- Zusätzliche Sätze: Off-Texte, Gedanken, Telefonstimmen oder Sätze von Figuren, die gerade nicht im Bild sind.
- Hintergrundstimmen: Gemurmel und Rufe von Gruppen (Walla), die einer Szene Leben geben.
So läuft eine ADR-Aufnahme ab
1. Spotting: die ADR-Liste
Regie, Cutter und Tonmeister gehen den fertigen Schnitt gemeinsam durch und markieren jede Stelle, die neu gesprochen werden soll. Daraus entsteht die ADR-Liste mit Timecode, Originaltext und dem Grund für die Nachaufnahme. Sie ist die Grundlage für die Planung der Session.
2. Vorbereitung im Studio
Die markierten Stellen werden als kurze Abschnitte angelegt, die sich beliebig oft wiederholen lassen. Der Originalton läuft als Orientierung mit. So hört die Schauspielerin oder der Schauspieler genau, wie der Satz am Set gesprochen wurde.
3. Die Aufnahme
Im Aufnahmeraum sieht die Schauspielerin oder der Schauspieler die Szene, hört drei kurze Signaltöne als Countdown und spricht den Satz direkt zum Bild. Jeder Satz wird mehrmals aufgenommen. Die Regie achtet darauf, dass Spiel und Energie zur Szene passen: Wer im Film gerade rennt, friert oder ruft, muss auch im Studio so klingen. Der Tonmeister achtet auf Lippensynchronität und darauf, dass Mikrofon und Abstand zur Aufnahme vom Set passen.
4. Auswahl und Schnitt
Nach der Session werden die besten Takes ausgewählt und im Schnitt Silbe für Silbe an die Lippen angelegt. Oft wird dabei aus mehreren Takes der beste Anfang und das beste Ende kombiniert.
5. Angleichen in der Mischung
Damit der neue Satz nicht wie „aus dem Studio“ klingt, wird er in der Mischung an den Originalton angeglichen: mit Klangfarbe, Raumhall und passender Atmosphäre. Ziel ist, dass niemand bemerkt, welche Sätze nachsynchronisiert wurden. Mehr dazu auf unserer Seite Audio-Postproduktion und Sounddesign.
Tipps: So wird ADR unhörbar
- Früh planen: Klären Sie rechtzeitig die Verfügbarkeit der Schauspieler. ADR-Termine fallen oft in eine enge Phase kurz vor der Abgabe.
- Guten Referenzton liefern: Auch ein gestörter Originalton hilft als Vorlage für Tempo, Betonung und Emotion.
- Mikrofon abstimmen: Teilen Sie uns mit, welche Mikrofone am Set verwendet wurden. Ein ähnlicher Klang macht das Angleichen deutlich einfacher.
- Die Situation nachstellen: Bewegung, Anstrengung und Entfernung zur Kamera sollten sich in der Stimme wiederfinden.
- Wenige, gezielte Stellen: Je genauer die ADR-Liste, desto effizienter die Session.
Die beste ADR ist die, die man nicht braucht
Guter Ton am Set spart später Zeit und Budget in der Postproduktion. Mit einem erfahrenen Tonmeister beim Dreh lassen sich viele Probleme vermeiden, bevor sie entstehen. Mehr dazu auf unserer Seite On-Set-Ton und Remote-Services.
Häufige Fragen zu ADR
Was müssen wir für eine ADR-Session liefern?
Einen Referenzfilm mit Timecode, die Dialogspuren aus dem Schnitt (zum Beispiel als AAF oder OMF) und idealerweise eine ADR-Liste. Falls noch keine Liste existiert, erstellen wir sie gerne gemeinsam mit Ihnen.
Muss die Schauspielerin oder der Schauspieler nach München kommen?
Nicht unbedingt. Über Source-Connect und SessionLink können Aufnahmen auch remote stattfinden, und Regie oder Produktion können live mithören und Anweisungen geben, egal wo sie sind.
Wie lange dauert eine ADR-Session?
Das hängt von der Anzahl der Stellen ab. Für einige Sätze reicht oft eine kurze Session, bei vielen Szenen oder mehreren Rollen planen wir einen oder mehrere Studiotage. Mit der ADR-Liste können wir Ihnen den Aufwand genau einschätzen.
Was ist der Unterschied zwischen ADR und Synchronisation?
Bei ADR werden einzelne Sätze in der Originalsprache neu aufgenommen, meist von denselben Schauspielern. Bei der Synchronisation wird der gesamte Dialog in eine andere Sprache übertragen und von anderen Sprechern eingesprochen. Wie das abläuft, zeigt unser Beitrag Wie läuft eine Synchronisation ab?
ADR-Aufnahme in München
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